Eine 82-jährige Bewohnerin schöpft neuen Lebensmut – Neue Waffe gegen Demenz?

Eine 82-jährige Bewohnerin schöpft neuen Lebensmut – Neue Waffe gegen Demenz?

August 29, 2018 0

[Durchbruch] 6 Monate Training an diesem Gerät und demenzkranke, an den Rollstuhl gefesselte Frau kann wieder gehen.

Der sogenannte “PLAUDERTISCH” wurde ursprünglich für Senioreneinrichtungen konzipiert, um Bewohnerinnen und Bewohnern Spaß an der Bewegung innerhalb der Gemeinschaft zu ermöglichen. Die Ergebnisse vom ersten Prototyp sind hervorragend, selbst die Entwickler sind erstaunt. Eine schwer demenzerkrankte Frau, die auf den Rollstuhl angewiesen war und kaum noch reagierte, kann dank der Bewegung am PLAUDERTISCH nach bereits sechs Monaten wieder eigenständig gehen. Ihr Mann ist überglücklich, denn gefühlt wurde den beiden dadurch ein neues Leben geschenkt. Doch wie funktioniert diese Konstruktion und wie kann es sein, dass sich das Training so günstig auf eine vermeintlich unheilbare Krankheit auswirkt?

So entstand die Idee
Häufig brachten Angehörige der Bewohner des Heinrich-Albertz-Haus in Ahaus sportliche Hilfsmittel in die Einrichtung mit den Worten: „Bewegung tut gut“ und „Wer rastet, der rostet!“ Doch die Geräte standen nach kurzer Zeit ungenutzt in der Ecke, bis sie schließlich im Keller des Hauses verschwanden. Bewegung in der Gemeinschaft macht mehr Freude, das kann man an den gut besuchten Teilnehmergruppen beobachten. Die Bewohner wünschten sich mehr gemeinschaftliche Angebote. Doch wie realisieren, wenn die Zeit von Pflegekräften rar ist?

Heinz Röddiger, Entwicklungsleiter der Firma Astro Sport, und Florian Winger, Inhaber des Fitness- und Rehageräteherstellers, sind dieser Frage zusammen mit dem Einrichtungsleiter Martin Overbeck, den Bewohnern und den Betreuungs- und Pflegekräften, nachgegangen. Sie wollten vor Ort herausfinden, welche Bewegungsabläufe für die Gesundheit der Senioren besonders wertvoll sind, ohne sie dabei zu überfordern. Damit in der Gemeinschaft trainiert werden kann, muss eine Art Tisch konstruiert werden, den mehrere Personen gleichzeitig nutzen können. Wie können Sportgeräte sinnvoll am Tisch befestigt und ausgetauscht werden, damit auch langfristig für Abwechslung gesorgt ist? Die Konstruktion sollte beweglich sein, damit sie dort zum Einsatz kommen kann, wo sie gerade benötigt wird. Eine Idee wurde geboren und ein Tisch hergestellt, der all diese Komponenten vereint und problemlos zu den unterschiedlichen Räumen und Hausgemeinschaften transportiert werden kann. Mehr Bewegung in der Gemeinschaft und nicht nur Betreuung und Pflege ist der Fokus.

So funktioniert der Plaudertisch
Die Konstruktion wurde “Plaudertisch” getauft, weil sie den Wunsch erfüllt, sich auch während der körperlichen Betätigung zu unterhalten, also plaudern zu können. Der Tisch bietet vier bis sechs Sitzplätze, an denen sich unten Pedale und oben austauschbare Module für die Bewegung des Oberkörpers befinden. Auch demenzkranke Menschen sollen am Tisch trainieren können, darum sind die Geräte bekannten Bewegungsabläufen aus der Kindheit nachempfunden. Mit den Händen kann man Radfahren, Drehorgel spielen oder mahlen wie damals mit einer Kaffeemühle. Diese Zusammenstellung ermöglicht es den Menschen, sich gleichzeitig zu unterhalten, zu singen und sich körperlich zu betätigen. Entgegen anderer Therapieansätze, wo Kastanienmännchen gebastelt werden, wird hier nicht nur für Spaß, sondern auch für Bewegung in der Gruppe gesorgt, ein besseres Gemeinschaftsgefühl kann entstehen. Das Besondere: Für die Betreuung ist lediglich eine Pflegekraft nötig! Der Tisch wurde zudem so weiterentwickelt, dass auch halbseitig gelähmte Menschen sicher trainieren können. Die Pedale sind mit Klettverschlüssen versehen, damit der gesunde Fuß die gelähmte Körperseite mitbewegen kann. So kann auch die Muskulatur des gehbehinderten Beins entwickelt werden. Was bisher zeitintensiv in individuellen Physiotherapiestunden trainiert wurde, geht jetzt mit Spaß und Freude in der Gruppe.

Nach nur 6 Monaten geschah das Unglaubliche!
Dass sich die Beweglichkeit des Körpers verbessert und die Muskulatur gestärkt wird, war das klare Ziel der Entwickler des Plaudertischs, die aus dem Bereich des Profisports kommen. Was sie völlig überrascht hat: Mit dem regelmäßigen Training scheint auch die Demenz zurückzugehen. “Damit haben wir nicht gerechnet”, erinnert sich Florian kopfschüttelnd. Doch der Fall von Brigitte L. beweist genau das. Sie ist Bewohnerin einer Seniorenresidenz im Münsterland, wo der Plaudertisch aufgestellt wurde. Ihre Demenz war so stark fortgeschritten, dass sie kaum noch reagieren konnte, oft nicht mal mehr auf Ihren Mann. Die Pflegekräfte mussten sie aus dem Rollstuhl heben, wenn sie auf die Toilette musste. Nach nur sechs Monaten täglich 10-minütigem Training am Plaudertisch konnte sie wieder alleine zur Toilette gehen. Und nicht nur das! Sie reagiert mehr auf Ihr Umfeld, ist ansprechbar und lacht wieder. Das Unglaubliche: Sie geht sogar händchenhaltend mit ihrem Mann die Treppen hoch! Die Pfleger konnten es nicht fassen, als sie das sahen. Sie wollten im ersten Moment eingreifen, aus Angst vor einem möglichen Sturz. Kein Grund zur Sorge, denn Ehrhard kümmert sich liebevoll um seine Frau und passt auf, dass nichts passiert. Heinz Röddiger kennt Brigitte L. schon lange und kennt ihre Krankheitsgeschichte. Dass sich durch das Training am Plaudertisch scheinbar sogar die Demenz verändert, hat ihn nachdenklich gemacht. Die Ursache von Demenz wird in der Schulmedizin auf Eiweißverklebungen im Gehirn zurückgeführt. Die große Frage ist also: Warum sollte das Training am Plaudertisch dieses unheilbare Krankheitsbild positiv begünstigen können?

Neueste Forschungsergebnisse: Die Nonnenstudie
Eiweißverklebungen im Gehirn wurden gemeinhin als Ursache von Demenzerkrankungen vermutet. Einfach gesagt: Müll, der sich im Gehirn ablagert, aufgrund dessen Verstand und Körper immer schlechter funktionieren. Aber das ist falsch! Das beweist die berühmte Langzeitstudie über die Ursachen von Demenz mit über 1000 Nonnen aus den USA. Untersuchungen nach dem Tod zeigten bei einem Drittel der Frauen ein stark geschädigtes Gehirn. Trotz Ablagerungen und verstopften Gefäßen erkrankte kaum eine Nonne zu Lebzeiten an Demenz. Dem Gehirn war es offenbar gelungen, den Abbau zu kompensieren und sich „umzubauen“. Noch mit über 90 Jahren lehrten sie an der Uni und absolvierten ein arbeitsreiches Tagesprogramm bei vollkommener geistiger Klarheit.

Wenn also nicht die Eiweißverklebungen im Gehirn die Ursache für Demenz sind, was ist es dann? Welche Faktoren beeinflussen die Krankheit?

Hirnforscher Prof. Dr. Hüther: So kann man Demenz verhindern

Was haben die Nonnen in ihrem Leben anders gemacht? Welche Lebensgewohnheiten haben dazu geführt, dass sie nicht an Demenz erkrankten, obwohl ihr Gehirn so starke Schäden aufwies?

Prof. Dr. Hüther hat beobachtet, dass die Selbstheilungskräfte des Gehirns nur aktiviert werden, wenn der Mensch in einer Welt lebt, in der er sich wohlfühlt. In der er versteht, was vor sich geht, geschätzt wird und mitgestalten kann.

Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit hat er im Buch „Raus aus der Demenz-Falle!“ zusammengefasst. Die Schlüsselfaktoren, die eine Demenzerkrankung verhindern können, sind: Bewegung, gesunde Ernährung, Tanzen, Singen oder Musizieren und vor allem ein erfüllendes Gemeinschaftsleben mit anderen.

Und genau das beweist der Plaudertisch! Der ursprüngliche Gedanke war, Mobilität und Gemeinschaft in die Alten- und Pflegeheime zu bringen. Doch am Beispiel von Brigitte L. und anderen Bewohnern wurde klar, dass auch Krankheiten und gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Demenz, Arthrose und Schlaganfälle durch das Training günstig beeinflusst werden.

Die wundersame Entwicklung der 82-jährigen Brigitte
Erst wollte Brigitte überhaupt nicht an den Plaudertisch. Gott sei Dank hat ihr Mann, der mit ihr in der Seniorenresidenz wohnt, die Möglichkeiten des Plaudertischs erkannt. Täglich haben sie gemeinsam 10 Minuten am Tisch trainiert, das hat völlig ausgereicht, um große Veränderungen zu bewirken. Schon nach nur drei Monaten konnte Brigitte vom Rollstuhl auf den Rollator umsteigen. Damit hat wirklich niemand gerechnet! Ihr Mann erzählt, dass er Brigitte nach einiger Zeit des Trainings sogar vom Plaudertisch nehmen musste, damit sie zum Essen mitkommt. Sie wollte gar nicht mehr weg, ist richtig aufgeblüht. Nach 6 Monaten geschah das Wunder. Brigitte kann wieder alleine gehen! Nur für längere Wege gibt man Ihr zur Sicherheit den Rollator und für weite Strecken den Rollstuhl. Trotz ihrer Demenz ist sie deutlich wacher und aufmerksamer als früher. Ihr Mann führt den deutlich besseren Gesundheitszustand klar auf das Training mit dem Plaudertisch zurück, denn das ist der einzige Faktor, der sich im Leben von Brigitte verändert hat. “Ohne Plaudertisch wäre sie nicht mehr zum Gehen gekommen. Das ist wirklich wahr!”, Ehrhard Augen werden rot. Die Erinnerung ist hochemotional, schließlich hat er jetzt seine Frau wieder zurück. So fühlt es sich an. Ein bedeutender Moment.

Erstaunlich: Probleme beim Laufen, aber ausgelassen tanzen!
Aufgrund der positiven Entwicklungen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern verschiedener Häuser ist das Gruppenübungsgerät fester Bestandteil des Alltags geworden. Man trifft sich regelmäßig, um gemeinsam zu singen und zu trainieren. Wenn sich sechs fröhliche Senioren gemeinsam bewegen, lässt es auch die anderen im Raum nicht kalt. “Plötzlich hat sich ein Heimbewohner die Betreuerin geschnappt und mit ihr getanzt. Das war so schön zu beobachten!”, schwärmt die ehrenamtliche Helferin Isabella, Mutter von Florian Winger. Durch ihren Sohn hat sie die wundersamen Entwicklungen mitbekommen und hilft jetzt auch anderen älteren Menschen. Regelmäßig geht sie in diverse Heime, um mit den Pflegebedürftigen am Plaudertisch zu üben. „Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Senioren Probleme beim Gehen haben, aber bei entspannter Atmosphäre in fröhlicher Runde sogar wieder tanzen!” Das fröhliche Singen lädt zum Bewegen ein. “Wahrscheinlich ist das so”, überlegt Frau Winger, “weil früher samstagabends Musik immer mit Tanzen verbunden war und das jetzt also nicht getrennt voneinander praktiziert werden kann”. Es ist wie eine Sucht im positiven Sinne. Wenn es Spaß macht, macht man es regelmäßig.

Aus diesem Grund sind Oma Hilde und Oma Anna unterschiedlich schnell gealtert
Florian hatte zwei Omas, die unterschiedlich schnell gealtert sind. Er hat miterlebt, das die Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Gerald Hüther wirklich stimmen. Die eine erkrankte an Demenz und die andere nicht, sie war noch bis ins hohe Alter aktiv und geistig fit. Das Alter war exakt gleich. Der entscheidende Unterschied lag in der Lebensführung und zwar genau in diesen zwei Punkten: Bewegung und Gemeinschaft. “Oma Hilde hat als Bürokraft in der Stadt gearbeitet und in der Rente viel Kreuzworträtsel gelöst und Fernsehen geschaut. Sie lebte sehr zurückgezogen und war am Schluss stark dement, saß nur noch im Rollstuhl und schaute ins Leere”, erinnert sich Florian. Oma Anna hingegen hatte eine eigene Pension und eine kleine Landwirtschaft in Vorarlberg. Sie arbeitete bis ins hohe Alter im Garten, schwatze mit Ihren Gästen und nahm aktiv am Dorfleben teil. Ja, sie wurde auch vergesslich, aber hatte grundlegend eine positivere Lebenseinstellung. „Als meine Mama mal wieder genervt fragte: `Mensch Anna, weißt du das nicht mehr?´ Erwiderte sie mit einem Lachen: `Klar weiß ich das noch! Ich wollte nur wissen, ob du das noch weißt.´“ Sie hatte Freude an Bewegung und nahm rege am sozialen Leben teil. Die andere Oma, die an Demenz erkrankte, bewegte sich kaum und war viel allein. Doch auch Oma Anna wurde vergesslicher. Florian hatte Angst, dass sie dement wird. Motivation genug die Entwicklung des Plaudertischs voranzutreiben. “Ich wollte dafür sorgen, dass sie auch im Altersheim ausreichend Bewegung bekommt und dabei Spaß mit den anderen hat”, erinnert er sich. Oma Hilde hat den Plaudertisch dankend angenommen. Immer sonntags hat sie sich mit den anderen Bewohnern getroffen. Die gemeinschaftliche Bewegung hat sie ans Wandern erinnert, was sie einst liebte. Frau Winger erzählt, dass sie in der Woche immer glücklich von ihren Erlebnissen erzählte: “Sonntag war ich wieder mit den anderen zusammen wandern. Und wir haben gesungen! `Hoch auf dem gelben Wagen´ und zum `Schneewalzer´ haben wir getanzt. Hach war das schön!” Florian und seine Mutter sind sehr froh, dass sie Oma Hilde mit dem Plaudertisch eine glückliche Zeit im Altersheim ermöglichen konnten.

Plaudertisch hält Einzug in die Altersheime!
Aufgrund der begeisterten Rückmeldungen und der positiven Auswirkungen auf gewisse Krankheitsbilder, wird der Plaudertisch jetzt in Serie gefertigt und hält Einzug in die Altersheime. Es hat sich rumgesprochen und ist, natürlich noch unter dem Radar, ein heimliches Kriterium für die Wahl des Altenheims. Verständlich, denn niemand sollte alleine in der Ecke sitzen. Wir wünschen uns für uns selbst und unsere Liebsten ein Altern in Würde und in Gemeinschaft. Bewegung ist Leben! Der Plaudertisch scheint also die Durchbruch-Innovation zu sein, die nicht nur überaus günstig auf gewisse Krankheitsbilder wirkt, sondern auch den ohnehin schon überlasteten Pflegekräften hilft, da nicht mehr jeder Bewohner einzeln an Sportgeräten betreut und motiviert werden muss, sondern gleich die ganze Gruppe am Tisch sitzt und auch alle anderen im Raum miteinbezogen werden, getreu dem Motto “Gemeinsam statt einsam”. Ein Segen für alle Beteiligten. Auch Ehrhard ist glücklich, dass es seiner Frau jetzt so viel besser geht. Die wundersame Entwicklung der über 82-jährigen Brigitte aus dem Münsterland und ist Grund genug, dass jetzt ein Forschungsprojekt gestartet wurde. Die Internationale Berufsakademie in Heidelberg untersucht aktuell, inwieweit mit dem Plaudertisch spezielle Pflege- und Therapieziele erreicht werden können und welche ganzheitlichen Bewegungskonzepte für die individuellen Krankheitsbilder zielführend sind. Aus den einzelnen Leuchtturmerfolgen soll ein dauerhaftes Erfolgskonzept für Senioren werden.

Helfen Sie bei der Verbreitung des Mobilitätsförderers!
Wünschen Sie sich, dass auch Ihre Eltern oder Großeltern die Möglichkeit haben, von den Vorteilen des Plaudertischs zu profitieren? Oder arbeiten Sie vielleicht sogar in einem Pflegeheim und für Ihre Schützlinge könnte diese Innovation interessant sein? Möchten Sie mehr über den Plaudertisch erfahren?

Informieren Sie sich auf unserer Webseite, schreiben Sie uns oder rufen Sie uns unter der 07151-95930-88 an.